Die Welt aus der Phosphor-Perspektive

Wie wir als Autorinnen auf das Thema Phosphorkreislauf gekommen sind

Sibylle Grunze Ameisen krabbeln über eine rottende Frucht am Boden.

Wir, Sibylle Grunze und Kerstin Hoppenhaus, sind Filmemacherinnen und arbeiten seit vielen Jahren zusammen, meistens zu Themen aus der Wissenschaft, oft geht es um Landwirtschaft und Welternährung.

Am Phosphor fasziniert uns, wie ein einzelnes Element, das man meist nicht sieht und von dem man selten hört, ein unersetzlicher, alles Leben auf diesem Planeten bestimmender Faktor sein kann. Und wie, weil das so ist, der Blick durch die "Phosphorbrille" uns vor Augen führt, wie wir die Art und Weise unser Zusammenleben, unsere Ernährung und unser Wirtschaften zu organisieren anpassen müssen, wenn wir langfristig mit den Ressourcen auskommen wollen, die uns zur Verfügung stehen.

Uns gefällt am Phosphor, dass er so bodennah ist, buchstäblich, aber auch im Übertragenen. Er liegt an der Basis unserer Existenz (klingt dramatisch und ist es auch), und führt uns, wenn man ihm lange genug auf den Spuren bleibt, vom fein-tariertem Rohstoffhandel im Wurzelraum eines Weizenfelds zu den komplexen geopolitschen Verflechtungen unserer ganzen großen Weltgesellschaft.

Dabei interessiert uns nicht nur Deutschland und Europa, denn es zeigt sich schnell, dass der Phosphor hier bei uns ganz andere Probleme mit sich bringt, als zum Beispiel im Süden Afrikas. Während bei uns ein Zuviel an Phosphor die Gewässer belastet, behindert etwa in Malawi ein Zuwenig an Phosphor die Landwirtschaft. Gemeinsam mit Malawi haben wir jedoch das Problem, dass wir fast zu hundert Prozent von Phosphat-Importen abhängig sind.

Viele Menschen arbeiten an der Lösung dieser Probleme. Bauern und Ingenieure, Wissenschaftler und Wasserwerker und viele mehr. Vieles kann nur gelingen, wenn alle mitmachen. Doch in der Öffentlichkeit sind diese Probleme kaum bekannt. Das möchten wir ändern.

Phosphor als Paradebeispiel für die Notwendigkeit eines nachhaltigen Ressourcenmanagements

Basierend auf unseren ersten Recherchen und mit Unterstützung durch ein Stipendium des European Journalism Centre haben wir 2018 ein erstes ausführliches Multimedia-Feature mit der Zeit und BBC Future zum Thema Phosphor veröffentlicht. Sowohl in Deutschland, als auch in Großbritannien stieß unser Bericht bei Leserinnen und Lesern auf unerwartet großes Interesse, das sich nicht nur in hohen Klickzahlen, sondern auch in den Kommentaren widerspiegelte.

Dieses Interesse und die relativ geringe mediale Beachtung, die das Thema Phosphor weiterhin findet, sind für uns der Anlass, die Geschichte weiter zu verfolgen. Wir finden es wichtig, Hintergründe und Zusammenhänge zu recherchieren und sichtbar zu machen und so dazu beizutragen, dass ein nachhaltiges Management dieses unersetzlichen Rohstoffs gelingen kann.


Der Fischer Sitefano und seine Tante Kafirini trocknen Fische am Ufer des Viktoria-Sees in Malawi. Vor ihnen auf einem Gestell ist der Fang des Tages ausgebreitet, tausende kleiner, silbrige Fische.
Die Phosphorströme in der Umwelt sind oft komplex. Am Ufer des Viktoria-Sees in Malawi spielen Fische eine wichtige Rolle für die Phosphorbilanz. Mit dem gefangenen Fisch wird Phosphor aus dem See entnommen, mit dem Futter in Aquakulturen und dem Abwasser aus den umliegenden Orten gelangen große Mengen Phosphor in den See hinein.
Sibylle Grunze
Phosphorama